Schnuten & Schnäbel

Rocko

Rocko – Abenteurer mit feinen Antennen

Zwei Herzen schlagen in Rockos Brust: Als Entdecker kann es ihm gar nicht abenteuerlich genug sein. Der Wald-und-Wiesen-Hund liebt es, durch die Natur zu vagabundieren, spannende Fährten aufzuspüren, gemeinsam Hindernisse zu meistern und seiner Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Der Hütehundmischling behält dabei seine „Herde“ stets im Blick und ist sofort zur Stelle, falls eines ihrer Mitglieder mal trödelt. Langweilig wird es mit Rocko nie und seiner Einladung zum Spielen oder Spazierengehen kann kaum jemand lange widerstehen.

Zugleich hat er ein ausgesprochen feines Gespür. Bei einer ersten Begegnung kann Rocko deshalb hin und wieder etwas zurückhaltend sein, oder er tut, als sei er besonders mutig, bis er sein Gegenüber gut genug einschätzen kann. Ist das Eis dann gebrochen, geht er als treuer Gefährte durch Dick und Dünn. Gerade in stürmischeren Zeiten zeigt sich, was in ihm steckt. Denn Rocko hat feine Antennen, mit denen er Stimmungen wahrnimmt – oft sogar, bevor sie uns selbst bewusst werden. Und er hilft für sein Leben gern: Steigt unsere Anspannung, scheint sein Blick zu fragen: „Wie kann ich dir helfen?“. Sind wir traurig, ermuntert er uns, ihn zu streicheln – ganz so, als wüsste er, dass wir dabei beruhigende Hormone ausschütten. Auch als Krisenmanager und emotionales Notfallkommando ist er also unschlagbar.

Rocko fordert uns auf, unsere Bedürfnisse zu spüren, das Leben nicht immer nur ernst, sondern ab und zu mal als Abenteuer zu sehen. Er zeigt uns, wie schön das gemeinsame Erleben der Natur ist und wie man für seine Liebsten sorgt. Gleichzeitig lernt auch er jeden Tag dazu, zum Beispiel, dass bei all den spannenden Herausforderungen des Lebens ein bisschen Entspannung auch mal ganz schön ist – das hat ihm unsere Berta beigebracht…

Berta

Berta – die sanfte Wilde

Als Berta zu uns kam, war sie schon eine ältere Dame – und wusste dennoch nicht so recht, wie man das eigentlich macht: Hund sein. Sie konnte kaum laufen oder sitzen, Augen und Zähne waren schlecht, sie hörte schwer und ihre Nase, das vielleicht wichtigste Körperteil eines Hundes, mit dem er die Welt entdeckt, hatte sie offenbar lange nicht benutzt. Kein Wunder: Die Hundedame hatte fast ihr gesamtes Leben in einem engen Zwinger verbracht und kannte weder Häuser noch Gärten noch Türen, durch die man gehen konnte. So blieb sie anfangs immer mittem im Rahmen stehen, als fragte sie sich: „Was nun?“.

Und doch bringt sie so vieles in unser Leben, das uns oftmals fehlt – allem voran eine unglaubliche Ruhe und Gleichmut: Berta liebt es, ausgiebig gekrault, gekämmt und gekuschelt zu werden und, wann immer möglich, ein Nickerchen zu halten. Sie lebt uns vor, dass das Leben kein Wettrennen ist, sondern eine Wanderung mit vielen Pausen, in denen man die Aus- oder auch Innensicht genießen kann. Auf diese Weise hat sie schon so manchem die Vorzüge des nachmittäglichen Dösens beigebracht. Mit Rockos Hilfe entdeckte sie Tag für Tag ihren Körper, ihre Sinne und damit auch die Welt. So zeigte er ihr etwa die schönsten Schnüffelstellen der Nachbarschaft, und sie antwortete mit einer reinen Achtsamkeitsübung: dem bewussten Erschnuppern all der Düfte dieser Welt.

Berta lehrt uns Gelassenheit und Sanftmut, Genuss und Hingabe, und dass man das Leben immer wieder neu entdecken kann, auch wenn man nicht mehr ganz jung ist. All das tut sie mit einer wunderbar ursprünglichen Wildheit, einem simplen So-Sein-Wie-Man-Eben-Ist, das uns daran erinnert, die Wild- und Echtheit auch in uns wieder zuzulassen.

Luise

Familie Huhn – die kleinen Schwarzen

Im Sommer 2019 zogen sie ein: meine ersten Hühner. Genauer gesagt Familie Huhn, denn Traudel, Käthe, Luise und Hahn Karlchen stammen aus einem Gelege – und allesamt aus schlechter Haltung. Sie hatten jedoch Glück und landeten bei einer Bekannten, die sie aufpäppelte, bis sie schließlich flügge wurden. Für mich ging nun das Hühnerabenteuer los. In den Wochen vor ihrem Einzug wälzte ich Bücher und durchforstete das Internet: Was fressen Hühner? Was brauchen sie für ein glückliches Hühnerleben? Und was machen sie eigentlich den ganzen Tag? Ich habe einen Stall für sie gebaut, die Nachbarn davon überzeugt, dass ein morgendlicher Hahnenschrei im Tausch für frische Eier eigentlich ein fairer Deal ist und einen Teil des Gartens für sie eingezäunt, schließlich sollten sie Auslauf haben, aber vor gefräßigen Waldbewohnern sicher sein.

Die Halbstarken waren anfangs ziemlich scheu, doch wir gewöhnten uns schnell aneinander. Da ich mehrmals täglich bei ihnen im Auslauf saß, um sie zu beobachten, fanden sie mich bald nicht mehr seltsam, sondern badeten direkt neben mir im Sand, klaubten Mehlwürmer aus meiner Hand und saßen an lauen Sommerabenden auf meinen Beinen, bis ihnen die Augen zufielen und Anführerin Traudel zum Rückzug in den Schlafstall aufforderte. Denn Hühner haben eine eingebaute Uhr und wissen genau, wann es Zeit ist, aufzustehen, zu fressen, sich zu pflegen, auszuruhen, zu scharren und schließlich wieder schlafen zu gehen.

Leider ist mein Sorgenhuhn Luise, die schwächste und rangniederste im Bunde, nur etwas über ein Jahr bei uns geblieben. In dieser Zeit stand sie mehrere lebensbedrohliche Krankheiten durch und kämpfte sich mit großer Kraft zurück ins Leben – bis sie im Herbst 2020 dann doch wusste, dass es Zeit ist, loszulassen.

Die Zwerghühner zeigen uns den Wert von Gemeinschaft, dass Rituale zelebriert werden wollen und dass jedes Lebewesen einzigartig ist. Auf den ersten Blick mögen sie sich sehr ähneln, aber schon nach kurzer Zeit kann sie jeder gute Beobachter auseinanderhalten: Traudel, die scheue Anführerin, Käthe, das mittlere Ausbüxhuhn, Luise, die lebensfohe Kämpferin – und natürlich Karlchen, pardon: Karl, der heldenhaft für seine Mädels sorgt.

 

Waff

Alma & Hermine – die Mädels-WG

Im Sommer 2020 kam dann erneut Hühnernachwuchs. Alma & Hermine stammen von einem Biohof ganz in der Nähe und hatten dort ein tolles Leben auf wilden Weiden. In diesem Sommer sollten sie jedoch geschlachtet werden, denn Älmchen und Hermine sind Zweinutzungshühner: Sie legen etwas weniger Eier, dafür setzen sie Fleisch an und können nach der Legeperiode als Suppenhühner verwertet werden. Glücklicherweise hatte die nette Landwirtin gar nichts dagegen einzuwenden, die beiden auch lebens abzutreten, denn auch sie liebt ihre Hühner sehr und war, glaube ich, ganz froh, wenigstens einigen ein schönes Rentnerdasein zu ermöglichen.

Und so zogen sie ein, die beiden Damen, die dank der Mauser gerade ziemlich gerupft aussahen, aber absolut entspannt und zutraulich zu sein schienen. Leider war Hahn Karl nicht ganz so begeistert von den beiden – vielleicht, weil sie wesentlich größer waren als seine „eigenen“ und wie Eindringlinge auf ihn wirkten. Alle Versuche, sie miteinander zu vergesellschaften, schlugen jedenfalls fehl. Und so kam es, dass Alma & Herminchen eine Mädels-WG gründeten, den restlichen Garten als Auslauf in Beschlag nahmen und Karl – da bin ich mir sicher – ab und zu am trennenden Zaun einen langen Schnabel zeigten. Und so langsam kehrt wieder Ruhe ein im Hause Huhn – mittlerweile laufen sie regelmäßig alle frei herum, wenn genügend Abstand möglich ist.

Alma & Hermine sind entspannte Hühnerdamen, die uns zeigen, wie man sich seines Lebens erfreut. Sitzt man im Garten, lassen sie sich gern zum Meditieren in der Nähe nieder, lässt man die Tür offen, durchstöbern sie auch mal das ganze Haus. Hermine hat ein Abenteuergen und entdeckt auch die verstecktesten Ecken, Alma ist eher der gemütliche Typ und würde, wenn sie könnte, ein Leben mit Couch und Mehlwurm-Abo nicht allzu furchtbar finden.