Mein Weg stadtauswärts

    Dorit Behrens Stadtauswärts für „Aktiv für den Naturpark“

    Geboren und aufgewachsen bin ich in der wunderschönen Lüneburger Heide. Seit frühester Kindheit lebte ich hier in enger Verbundenheit mit der natürlichen Welt und zahlreichen Tiercharakteren – frechen Hühnern, Katzen, die uns auf Spaziergänge begleiteten, treuen Hundefreunden, scheuen Schafen und ziemlich wilden Ponies. In einer Zeit ohne Mobiltelefon und Internet verbrachten wir Kinder die Nachmittage mit unseren zwei- bis vierbeinigen Freunden, auf und unter Bäumen und badeten fortwährend in ihrer wohltuenden Anwesenheit. Ein unschätzbarer Wert, der mir erst viel später bewusst wurde.

    Als junge Erwachsene zog es mich erst einmal in die Stadt. Ich liebte das Großstadttreiben, denn es bot mir unzählige Möglichkeiten, mich inspirieren zu lassen und unterschiedlichste Lebensstile auszuprobieren. Und dennoch erwachte in diesen Jahren, was längst tief in mir geschlummert hatte: das klare Bewusstsein, dass ich trotz – oder gerade wegen – der zahllosen Zerstreuungen der Stadt mein Leben nicht in seiner Fülle lebte. Ich sehnte mich nach dem Einklang mit den Jahreszeiten, der Ruhe und Weite der Natur…

    Dorit Behrens Stadtauswärts für „Aktiv für den Naturpark“

    Mein Hund als Lehrmeister

    Als der halbstarke Rocko in meine Berliner Zwei-Zimmer-Wohnung zog, war der Grundstein für einen grundlegenden „Lebens-Wandel“ gelegt. Er fand in einer Phase großer Natursehnsucht zu mir und lehrte mich, wie gut und wichtig es ist, seine Bedürfnisse zu kennen und ihrem Ruf zu folgen. Mit seinen eigenen hielt er mich fortan ziemlich auf Trab: Er wollte regelmäßig fressen, mit Artgenossen toben, auf dem Sofa kuscheln, Bücher zerlegen, seine Ruhe haben und vor allem: raus in die Natur! All das vermittelte er mir ohne ein einziges Wort. Für mich umso erstaunlicher, als ich einen Großteil meines bisherigen Berufslebens der menschlichen Kommunikation gewidmet hatte, die zwar wortreicher, oft aber auch viel weniger verständlich war.

    Auf wilden Pfoten öffnete mein rumänischer Rabauke mir das Herz zu einer Welt, die ich aus Kindertagen längst kannte: in der Mensch, Tier und Natur ganz leicht in Beziehung treten und miteinander kommunizieren, auskommen, einfach sein können. Und so begann unser neues Leben, das bis heute ganz wesentlich von dieser Verbindung geprägt ist. Unser Band wurde fortan zu meinem Wegweiser und in seinen Bedürfnissen erkannte ich immer mehr den Spiegel meiner eigenen. Nicht nur er genoss unsere Streifzüge durch Wälder, Wiesen und Heide. Auch ich spürte dort, was ich so lange vermisst hatte: Verbundenheit, Fülle, Glück… Und so führte unser Weg endlich stadtauswärts.

    Dorit Behrens Stadtauswärts für „Aktiv für den Naturpark“

    Heilsame Re-Naturierung

    Nach mehr als zehn Großstadtjahren lebe ich nun seit 2016 wieder in meiner Heimat im Naturpark Lüneburger Heide. Heute weiß ich den Luxus, in die Welt der Pflanzen und Tiere eingebunden zu sein, mehr zu schätzen denn je. Der Kontakt mit ihnen schenkt mir jeden Tag mehr kostbare Ausgeglichenheit, Lebensfreude, neue Perspektiven und noch so vieles mehr – auch und gerade in Zeiten, in denen sich das Leben stürmisch zeigt.

    Und so wuchs der Wunsch in mir, mehr über die förderliche Kraft der Natur zu erfahren, um sie auch anderen Menschen nahezubringen. Ich absolvierte eine Reihe zertifizierter Aus- und Weiterbildungen und machte weitere persönliche wie berufliche Erfahrungen, u. a. im Bereich der Demenz. Etwa zeitgleich entdeckte ich die Kunst der Achtsamkeit, die seither mein Leben vertieft und um unzählige Facetten bereichert. Dank der Verbindung aus beidem – dem achtsamen Natur- und Tierkontakt – fühle ich mich seither in mir selbst und in der Welt verwurzelt und gleichzeitig klarer, gelassener und mitfühlender. All das geleitet mich stetig weiter auf dem förderlichen Weg der Green Care, auf dem ich auch meine Klientinnen und Klienten begleiten darf.